Onboarding digital in der Kanzlei: So gelingt der Start

Digitales Mandantenonboarding in der Kanzlei: In der ersten Mandatswoche vollständige Akte, rechtskonforme Vollmachten und sicherer in DATEV integrierter...

9 min Lesezeit

Isometrische Illustration eines digitalen Kanzleistarts

Ein praxisorientiertes digitales Onboarding liefert innerhalb der ersten Mandatswoche eine vollständig befüllte Akte, rechtskonforme Vollmachten und einen sicheren Datenzugang für Mandant und Kanzlei. Voraussetzung sind ein DATEV-integrierter Workflow, ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und die Wahrung der Schweigepflicht nach § 203 StGB. Weiter unten finden Sie eine Checkliste und Vorlagen, mit denen Sie den Prozess sofort umsetzen können.


Kurz gesagt:

  • Mehr als 90 Prozent der größeren Kanzleien nutzen digitale Tools für das Onboarding, kleine Kanzleien dagegen nur etwa 11 Prozent, hauptsächlich wegen fehlender Kapazitäten.
  • Automatisierte Schritte wie Einladung, Formularversand und Signatur laufen heute weitgehend automatisiert, während die Datenübernahme aus vergangenen Verfahren meist noch manuell erfolgt.
  • Für eine rechtssichere Verarbeitung müssen Kanzleien einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach DSGVO abschließen und die Schweigepflicht nach § 203 StGB sicherstellen.
  • Die Integration sollte über offene Schnittstellen erfolgen, Signaturlösungen nutzen und Zugriffe verschlüsselt sowie protokolliert werden, um Medienbrüche und Fehler zu vermeiden.
  • Künstliche Intelligenz wird künftig den Routineanteil im Onboarding verringern, während Kommunikations- und Urteilsvermögen an Bedeutung gewinnen.

Kurzcheck: Die 6 Phasen eines digitalen Mandanten-Onboardings

Ein digitales Onboarding in der Kanzlei läuft in sechs klar abgrenzbaren Phasen ab. Jede Phase hat einen eigenen Verantwortlichen, und nicht jeder Schritt lässt sich automatisieren.

  1. Erstkontakt und Lead-Erfassung: Anfrage über Website, Telefon oder Empfehlung, direkt im CRM oder in der Kanzleisoftware dokumentiert.
  2. Vorabinfos und Erwartungsmanagement: Kurzes Informationspaket zu Leistungsumfang, Honorar und nächsten Schritten, meist per E-Mail.
  3. Einladung und Registrierung: Der Mandant erhält einen Link zum Mandantenportal und legt dort seinen Zugang an.
  4. Vollmachten und Identifikation: Digitale Unterschrift der Vollmacht, Identitätsprüfung, oft per Video-Ident oder qualifizierter elektronischer Signatur.
  5. Aktenanlage und Dokumentenübernahme: Übertragung von Vorjahresunterlagen, Bescheiden und laufenden Verfahren in die Kanzleisoftware.
  6. Onboarding-Abschluss: Erste inhaltliche Rückmeldung der Kanzlei, oft verbunden mit einem kurzen Kennenlerngespräch.

Automatisieren lassen sich vor allem die Schritte zwei bis vier: Einladungen, Formulare und Signaturprozesse laufen heute weitgehend ohne manuellen Eingriff. Schritt fünf bleibt tückisch, denn Vorjahresdaten und laufende Verfahren muss meist noch ein Mitarbeiter sichten und zuordnen. Rechnen Sie für den gesamten Ablauf mit drei bis sieben Werktagen, je nachdem wie schnell der Mandant Unterlagen liefert.

Welche technischen Optionen gibt es für die Integration?

Für Kanzleien mit DATEV-Anbindung ist DATEV Onboarding der naheliegendste Startpunkt: Mandanten erhalten einen Einladungslink, registrieren sich selbst und übermitteln Daten über einen standardisierten, geprüften Kanal. Das reduziert den Abstimmungsaufwand zwischen Kanzlei und Mandant erheblich, weil Registrierung und Datenübertragung nach einem einheitlichen Muster ablaufen.

Wer über DATEV hinaus ein eigenes Mandantenportal betreibt, sollte bei der Auswahl auf folgende Punkte achten:

  • Anbindung über offene Schnittstellen wie DATEVconnect, damit Daten nicht händisch übertragen werden müssen.
  • Qualifizierte oder fortgeschrittene elektronische Signatur für Vollmachten, rechtssicher und nachvollziehbar.
  • Durchgängige Verschlüsselung bei Übertragung und Speicherung, nicht nur auf der Login-Seite.
  • Granulare Berechtigungsstufen, damit Mandant, Kanzleimitarbeiter und externe Partner nur sehen, was sie sehen dürfen.
  • Protokollierung aller Zugriffe, damit sich im Zweifel nachvollziehen lässt, wer wann auf welche Unterlage zugegriffen hat.

Vermeiden Sie Insellösungen, bei denen Signatur, Portal und Kanzleisoftware getrennte Systeme ohne Schnittstelle sind. Jeder Medienbruch kostet Zeit und erhöht das Fehlerrisiko bei der späteren Aktenanlage.

Was müssen Kanzleien datenschutzrechtlich beachten?

Was müssen Kanzleien datenschutzrechtlich beachten? — overview diagram

Steuerberater sind Berufsgeheimnisträger. Jeder digitale Onboarding-Prozess muss deshalb zwei rechtliche Mindestanforderungen erfüllen: einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO mit jedem eingesetzten Dienstleister und eine Verpflichtung auf die Schweigepflicht nach § 203 StGB für alle Personen, die Zugriff auf Mandantendaten erhalten. Die Berufskammer für Steuerberater verlangt zusätzlich verschlüsselte Kommunikation und rät, den Hosting-Standort der eingesetzten Software genau zu prüfen.

Vor jeder Anbieterfreigabe gehören folgende Punkte auf die Checkliste:

  • Liegt ein unterschriebener AVV vor, und ist er aktuell?
  • Sind alle Subdienstleister des Anbieters bekannt und ebenfalls vertraglich gebunden?
  • Wo genau stehen die Server, und wer hat theoretischen Zugriff?
  • Ist die Schweigepflichtverpflichtung schriftlich dokumentiert?
  • Steht der Prozess im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten?

Kurz zur Zahlenlage: In größeren Kanzleien liegt die Nutzung digitaler Tools bei über 90 Prozent, in kleinen Kanzleien mit weniger als fünf Mitarbeitenden nur bei rund 11 Prozent. 73 Prozent der Kanzleien nennen Effizienzsteigerung als Haupttreiber für die Digitalisierung überhaupt. Die Lücke zwischen großen und kleinen Kanzleien liegt selten an fehlender Technik, sondern meist an fehlender Zeit für die rechtliche Prüfung im Vorfeld.

Wie überzeugen Sie Mandanten vom digitalen Prozess?

Mandanten interessiert selten die Technik hinter dem Portal. Sie wollen wissen, ob ihre Daten sicher sind, ob der Prozess schneller geht als Papierkram per Post und ob sie im Zweifel jemanden erreichen. Kommunizieren Sie genau diese drei Punkte, nicht die Softwarefunktionen.

Drei Kriterien für die digitale Mandantenkommunikation

Eine Einladungsmail funktioniert am besten kurz und konkret: Nennen Sie den Zeitaufwand („etwa zehn Minuten“), den Grund („damit wir Ihre Steuererklärung schneller bearbeiten können“) und einen Ansprechpartner für Rückfragen. Erinnerungen nach drei und sieben Tagen erhöhen die Abschlussquote deutlich, besonders bei weniger digital-affinen Mandanten. Bieten Sie für diese Gruppe eine telefonische Alternative an, statt sie allein mit dem Portal zu lassen.

Intern lohnt sich ein Pilotprojekt mit fünf bis zehn Mandaten, bevor Sie den Prozess kanzleiweit ausrollen. So lassen sich Stolperstellen früh erkennen, und Mitarbeiter gewinnen Sicherheit im Umgang mit dem neuen Ablauf.

Profi-Tipp: Fragen Sie nach den ersten zehn Onboardings aktiv nach Feedback, am besten mit einer einzigen Frage: „Was hat Sie am meisten gestört?“ Die Antworten verraten mehr als jede interne Prozessanalyse.

Checkliste und Vorlagen für den sofortigen Einsatz

Ein digitales Onboarding braucht keine perfekte Software, sondern eine klare Struktur. Diese Checkliste deckt die Pflichtpunkte ab, die in der Praxis am häufigsten übersehen werden:

  1. Stammdaten des Mandanten (Name, Anschrift, Steuer-ID, Rechtsform bei Unternehmen).
  2. Vollmacht für die Steuerberatung, digital unterschrieben.
  3. Vollmacht für das Elster-Zertifikat, falls erforderlich.
  4. Vorjahresunterlagen: letzter Steuerbescheid, Bilanz oder Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
  5. Laufende Verfahren oder offene Bescheide, die für die Fristenkontrolle relevant sind.
  6. Bankverbindung und SEPA-Mandat für die Honorarabrechnung.
  7. Unterschriebener AVV, falls externe Tools eingesetzt werden.

Für die interne Steuerung hat sich ein einfaches Kanban-Board bewährt, mit drei Spalten: „Eingegangen“, „In Prüfung“, „Abgeschlossen“. Formulardaten und Signaturen wandern automatisch in die erste Spalte, sobald der Mandant sie eingereicht hat. Die zweite Spalte bleibt Handarbeit, denn Vorjahresdaten und laufende Verfahren lassen sich selten vollständig automatisch zuordnen. Genau dieser Block kostet in der Praxis am meisten Zeit, weil ihn der Mandant allein oft nicht lösen kann.

Bei der Toolauswahl helfen vier Kategorien als Orientierung, unabhängig vom konkreten Anbieter:

  • Portal-Software für Einladung, Registrierung und Dokumentenaustausch.
  • Signaturlösungen für rechtssichere elektronische Unterschriften.
  • Dokumentenmanagement, das Uploads automatisch der richtigen Akte zuordnet.
  • Archivsysteme, die gesetzliche Aufbewahrungsfristen einhalten und Zugriffe protokollieren.

Automatisierte Formulare und KI-gestützte Chatbots können laut Analysen zur Mandatsannahme mit KI die manuelle Bearbeitungszeit deutlich verkürzen und Akten direkt befüllt in die Kanzleisoftware übernehmen. Das entlastet vor allem die Phasen drei und vier des Onboardings, während die inhaltliche Prüfung der Historie Kanzleiarbeit bleibt.

Praxisperspektive: Was erwartet Kanzleien in den nächsten Jahren?

KI verdrängt zunehmend Routineaufgaben im Onboarding, und das verschiebt auch die Anforderungen an neue Mitarbeiter: Urteilsvermögen und Kommunikationsstärke zählen künftig mehr als reine Ausbildung auf Repetitionsaufgaben. Im Rechnungswesen nutzen bereits 53 Prozent KI-Werkzeuge oder bereiten den Einsatz vor, 37 Prozent berichten von sofortigen Zeiteinsparungen bei transaktionalen Prozessen. Onboarding-Prozesse werden entsprechend stärker um KI-gestützte Vorprüfung und automatisierte Kommunikation herum gebaut, nicht mehr nur um digitale Formulare.

Arminius als ergänzende Plattform für die Mandantenkommunikation

Wenn die Akte einmal angelegt ist, beginnt die eigentliche Arbeit erst: E-Mails beantworten, Rückfragen klären, Beratungsanlässe erkennen. Genau hier setzt Arminius an. Die Plattform verknüpft eingehende Mandanten-E-Mails automatisch mit den passenden Daten aus DATEV und erstellt daraus einen fertigen Antwortentwurf, den die Kanzlei nur noch prüfen und freigeben muss.

Arminius-ki

Darüber hinaus erkennt Arminius in den vorhandenen Mandantendaten Gestaltungspotenziale und schlägt konkrete Beratungsansätze vor, statt nur auf eingehende Fragen zu reagieren. Für Kanzleien, die frisch onboardete Mandanten proaktiv begleiten wollen, ist das ein spürbarer Unterschied zum reinen Abarbeiten von Posteingängen. Gehostet wird ausschließlich in Deutschland, inklusive AVV und Verpflichtung auf die Schweigepflicht nach § 203 StGB, sodass die rechtlichen Mindestanforderungen aus dem vorherigen Abschnitt erfüllt sind. Wer prüfen möchte, wie sich das in die eigene E-Mail-Bearbeitung einfügt, findet die Details und aktuellen Konditionen auf der Preisseite von Arminius.

Quellen

Für die rechtliche Vertiefung lohnt sich die Handreichung der Steuerberaterkammer Hessen zu KI sowie internationale Einordnungen wie dieser Beitrag zu KI in der Buchhaltung.

Was Kanzleien beim digitalen Onboarding oft unterschätzen

Die meisten Kanzleien optimieren die falsche Phase. Sie stecken Zeit in ein schickes Einladungsformular, während der eigentliche Engpass in der Sichtung der Vorjahresdaten liegt, ein Schritt, den kaum eine Software allein löst. Das ist auch der Grund, warum kleine Kanzleien bei der Digitalisierung so weit hinter großen liegen: Nicht die Technik fehlt, sondern die Kapazität, Prozesse einmal gründlich durchzudenken.

Meine These: Der größte Hebel liegt nicht im Portal, sondern in der Kommunikation danach. Ein Mandant, der sein Onboarding-Formular ausgefüllt hat, erwartet innerhalb von Tagen eine Reaktion, nicht Wochen später eine Rückfrage zur fehlenden Unterschrift. Kanzleien, die KI-gestützte Werkzeuge zur Vorprüfung und Antwortvorbereitung einsetzen, verschaffen sich hier einen Vorteil, der sich messen lässt, während reine Portallösungen diesen Teil oft unangetastet lassen. Die Zukunft des Onboardings entscheidet sich also weniger am Eingangstor der Kanzlei, sondern in der ersten Woche danach.

— Florian

Empfehlungen

Häufige Fragen

Welche vier Phasen umfasst der Onboarding-Prozess typischerweise?
Häufig wird zwischen Vorbereitung, Orientierung, Integration und Bindung unterschieden. Im digitalen Kanzleikontext entsprechen diese Phasen der Einladung, der Registrierung mit Vollmachten, der Aktenanlage und dem ersten inhaltlichen Kontakt, wie im Abschnitt zu den sechs Phasen beschrieben.
Was ist DATEV Onboarding genau?
DATEV Onboarding ist ein standardisierter, sicherer Kanal, über den Kanzleien Mandanten einladen, registrieren und Daten direkt in die Kanzleisoftware übernehmen können. Es ersetzt den manuellen Austausch von Formularen per E-Mail oder Post.
Ist Onboarding dasselbe wie Einarbeitung?
Nein, die Begriffe unterscheiden sich im Kontext. Mandanten-Onboarding meint die Aufnahme eines neuen Mandats inklusive Vollmachten und Datenübertragung, während Einarbeitung sich meist auf neue Mitarbeiter in der Kanzlei bezieht.
Was bedeutet Onboarding im Deutschen konkret?
Onboarding bezeichnet den strukturierten Prozess, mit dem ein neuer Mandant oder Mitarbeiter in bestehende Abläufe eingebunden wird. Im Kanzleikontext umfasst das Vollmachten, Identifikation, Datenübernahme und die ersten Kommunikationsschritte.
Kostet der Einsatz von Arminius etwas?
Arminius wird als Abonnement pro Kanzlei angeboten, die genauen Konditionen sind auf der Preisseite hinterlegt. Eine einmalige Einrichtung fällt zusätzlich an, ebenfalls ohne öffentlich gelisteten Betrag.

Arminius für Ihre Kanzlei

Wir erstellen Ihnen ein Angebot, abgestimmt auf Größe, Mandantenstruktur und bestehende Tools Ihrer Kanzlei.

Angebot anfordern →

Tools & Vergleiche